Jetzt ist er endlich erschienen, der dritte Band von “Das geheime Leben der Tiere – Arktis” mit dem Titel „Das Geheimnis der Luchse“. Meine Lektorin und ich überlegten lange, welches Tier dafür infrage käme und die Entscheidung fiel schließlich auf ein Wesen, das nicht ganz der Arktis zuzuschreiben ist, das aber zum Teil im arktischen Klima lebt: der Luchs.
Luchs ist jedoch nicht gleich Luchs, wie ich im Zuge meiner Recherche schnell feststellte. Wir wollten uns dem Kanadaluchs widmen, der im Yukon weit verbreitet ist und den man auch in Alaska findet. Diese Wildkatzen gelten nicht als gefährdet, ihr Lebensraum vergrößert sich aufgrund des Klimawandels sogar, weil sich die Baumgrenze immer weiter in Richtung Norden verschiebt. Manchmal laufen diese Luchse einfach los, obwohl sie ein ertragreiches Revier haben und niemand weiß so recht, warum sie das tun. Es ist ein Geheimnis, das sie nicht mit uns Menschen teilen wollen.
Schnell stellte ich fest, dass der Kanadaluchs zwar ein spannendes Wesen ist, dass wir die anderen drei Luchsarten jedoch auch nicht ganz außer Acht lassen dürfen. Der Eurasische Luchs, den es bei uns wieder vermehrt gibt, der Rotluchs, der bis in die Steppenregionen Amerikas beheimatet ist, und der Pardelluchs, auch als Iberischer Luchs bekannt. Er galt lange als die am meisten gefährdete Wildkatzenart der Welt. Dank eines groß angelegten Schutzprogramms gibt es wieder rund 2000 Exemplare, aber seine tragische Geschichte fesselte mich.
“Wir müssen alle vier Luchse im Buch zu Wort kommen lassen”, war mein Resümee nach der ersten Recherche. Blieb nur noch die Frage: Wie? Rotluchs und Kanadaluchs treffen auch in der Wildnis manchmal aufeinander und können sogar Nachwuchs zeugen. Die anderen Luchse jedoch … Kein Pardelluchs wird in den Norden spazieren, kein Eurasischer Luchs durch den Atlantik schwimmen. Ich entschied mich dafür, einen Menschen dafür verantwortlich zu machen, dass diese vier Luchsarten einander im Buch begegnen. Ob mir diese Umsetzung gut gelungen ist, sollen die kleinen und großen Leserinnen und Leser entscheiden.
Im Zuge meiner weiteren Recherche las ich irgendwo den Satz, dass wir über die Tiere Afrikas mehr wissen als über den Luchs, der früher unsere Wälder so zahlreich bevölkerte. Dieser Aussage muss ich leider zustimmen, denn es war fast unmöglich, wirklich gute Informationen über diese scheuen Wesen zu finden. Dann entdeckte ich eine Dissertation. Doktor Thomas Burmester zog zwei Luchse mit der Flasche auf. Drei Monate verbrachten die kleinen Katzen in seiner Wohnung, bevor sie in ein Gehege der Universität Göttingen zogen. Thomas Burmester, der sich selbst in seiner Arbeit liebevoll als Ersatzmutter bezeichnet, dokumentierte jeden noch so kleinen Entwicklungsschritt. Für mich war seine Arbeit ein wahrer Segen. Ich denke nicht, dass es dieses Buch ohne ihn in dieser Form gäbe und ich kann ihm nicht genug danken.
So fremd mir die Luchse am Anfang des Schreibprozesses waren, so lieb habe ich sie mittlerweile gewonnen. Es sind wahrlich faszinierende Tiere und wir sollten uns freuen, dass sie langsam in unsere Wälder zurückkehren. In Deutschland und der Schweiz noch etwas erfolgreicher als in Österreich, aber wer weiß … Vielleicht dürfen wir uns auch hier eines Tages über eine Population freuen.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie euch das Buch gefällt und freue mich auf eure Rückmeldungen!
